Helfer für gerades Leimholz

So sehen die fertigen Zulagen aus

Wenn ihr selbst Leimholz herstellt, kennt ihr das Problem: Die Einzelteile einer Leimholzplatte müssen plan und ohne Höhenversatz miteinander verleimt werden. Dazu spannt man sich in der Regel Zulagen quer über die Platte. Dazu reichen einfache Kanthölzer aus. Hauptsache sie sind zumindest auf einer Seite gerade. In den letzten Monaten habe ich gerne Alu-Profile in Kombination mit Führungsschienenzwingen und Zulagen aus Holz benutzt. Das ist schon eine recht bequeme Lösung. Aber sie hat noch Nachteile:

  • Die Alu-Profile müssen vor Leim geschützt werden, das bedeutet abkleben. Einige Klebebänder färben beim Kontakt mit Leim aber auf das Holz ab. Wieder andere lassen sich kaum noch ablösen. Das Klebeband muss bei jedem Verleimen je nach Breite der Platte neu aufgeklebt werden.
  • Für jede Plattenbreite, die zu verleimen ist, braucht man auch entsprechend lange Zulagen
Die bisherige Lösung mit Alu-Schienen

Ich wollte also eine bessere und vor allem flexiblere Lösung haben. Herausgekommen sind Zulagen aus Multiplex. Gegen das Anhaften von Leim helfen Melamin. Bügelkanten, die Zulagen sind so gestaltet, dass sie für unterschiedlich breite Leimholzplatten verwendet werden können. Alles in allem ein sehr schönes System, das in Kombination mit Korpuszwingen wirklich einfach zu handhaben ist und für genaue Resultate sorgt. Und damit ihr die Zulagen ganz einfach nachbauen könnt, folgt nun die genaue Bauanleitung.

Die Ideale Kombination: selbstgebaute Zulagen und Korpuszwingen.

Das braucht ihr

Die Zulagen sind aus drei Lagen 18 Millimeter dickem Multiplex zusammengeleimt. Dazu braucht ihr 15 Streifen Birke Multiplex mit einer Breite von 65 Millimetern. Dazu noch drei Streifen mit einer Breite von 55 Millimetern. Die Streifen haben eine Länge von etwa 930 Millimetern. Ihr braucht noch 33 Klötzchen mit den Abmessungen 50 x 50 Millimeter, ca. 20 Meter Melamin-Bügelkante, drei T-Nut Schienen mit einer Länge von etwa 900 Millimetern und sechs Führungschienenzwingen. Ich habe euch die T-Nut-Schiene und die Zwingen die ich verwendet habe am Ende des Artikels verlinkt. Da findet ihr auch eine Stückliste und die Zeichnung mit den genauen Maßen.

Diese Materialien braucht ihr für den Bau

Das Zusammenleimen

Der erste Schritt beim Bau der Zulagen ist das Verleimen aus den Einzelteilen. Ob ihr mit den Zulagen zum Durchstecken der Zwingen anfangt oder mit denen mit der T-Nut spielt keine Rolle. Bei den Zulagen mit den Löchern beginnt ihr am besten in der Mitte. Markiert euch mit einem Strich die Mitte der Leiste (Breite 65 Millimeter) und auf je einem der Klötzchen auch die Mitte. Leimt das Klötzchen auf eine der Leisten, sodass die Striche deckungsgleich sind. Anschließend leimt ihr die anderen Klötzchen auf die Leiste. Insgesamt werden elf Klötzchen aufgeleimt. Der Abstand beträgt 37 Millimeter. Wenn ihr die Zulagen länger oder kürzer macht, müsst ihr die Maße natürlich anpassen. Wenn der Leim getrocknet ist, leimt ihr die zweite Leiste auf. Bei den Zulagen für unten, also die mit der T-Nut-Schiene, müsst ihr lediglich zwei breite Streifen (65 Millimeter) und einen schmalen Streifen (55 Millimeter) zu einem Kantholz zusammenleimen. Das wären dann die Rohlinge.

Einfache Federzwingen sind zum Verleimen der Klötzchen vollkommen ausreichend.
Ein Abstandhalter sorgt für den richtigen Abstand zwischen den Klötzchen.

Die Zulagen müssen gerade sein

Eurer Leimholz kann nur so gerade werden, wie es auch eure Zulagen sind. Daher müsst ihr sie abrichten und auf eine gleichmäßige Stärke aushobeln. Multiplex macht die Hobelmesser schneller stumpf, als Massivholz. Aber es kann mit jeder Hobelmaschine bearbeitet werden, da müsst ihr also keine Bedenken haben. Die gleichmäßige Dicke ist daher so wichtig, da ja eure Leimholzplatten auf diesen Zulagen aufliegen, während ihr sie verleimt. Wären die Zulagen unterschiedlich dick, würde euer Leimholz krumm verleimt werden.

Die Nut für die T-Nut-Schiene

Für das bequeme Arbeiten sorgen die T-Nut Schienen. In sie könnt ihr die Führungsschienenzwingen einsetzen und damit die beiden Zulagen zusammenpressen. Die Nut könnt ihr Sägen oder auf dem Frästisch machen. Mit einem Scheibennutfräser geht das besonders gut. Stellt den Nutfräser auf eine Frästiefe, die der Stärke eurer T-Nut-Schiene entspricht. Fangt in der Mitte an und dreht nach jedem Fräsgang euren Rohling um 180 Grad. So fräst ihr eure Nut ganz exakt in die Mitte der Zulage. Das ist für die Funktion zwar nicht so wichtig, aber es schadet ja auch nicht. Die Nutbreite wird ebenfalls genau an die Nutschiene angepasst.

Ein Scheibennutfräser auf dem Frästisch eignet sich besonders gut. Je dicker der Fräser ist, umso weniger Durchgänge braucht ihr.
So landet eure Nut genau in der Mitte

Bügelkanten und Wasserlack gegen den Leim

Einfache Melamin-Bügelkanten verhindern, dass Leim an den Zulagen anhaftet. Sie lassen sich gut reinigen und bei Bedarf sogar einfach ersetzen. Das Klebeband hat damit ausgedient. Verfärbungen im Holz braucht ihr damit auch nicht zu befürchten. Die Kanten werden einfach mit dem Bügeleisen aufgezogen. Drückt sie mit einem Holzklotz fest an, während sie noch warm sind. Anschließend fräst ihr die Überstände mit einem Fasenfräser weg. Stellt den Fräser ruhig so ein, dass eine Fase von etwa einem Millimeter Breite entsteht. Erst jetzt längt ihr eure Zulagen ab. Schneidet sie etwa fünf Millimeter länger, als eure T-Nut-Schienen. Die Zulagen solltet ihr mit Lack oder Hartwachsöl gegen anhaftenden Leim schützen. Mit Wasserlack habe ich da gute Erfahrungen gemacht. Es geht auch wirklich nur um den Schutz, nicht um eine perfekte Lackoberfläche.

Achtet darauf das Bügeleisen nicht zu heiß einzustellen. Stufe „Baumwolle“ funktioniert sehr gut.
Der Lack ist nicht nur für die Optik da. Er verhindert, dass Leim an den Zulagen haftet.

Die fertigen Zulagen

Ihr müsst die Führungsschienenzwingen noch etwas modifizieren. Der Teil mit der Spindel muss ganz abgenommen werden können. Dazu schleift ihr am Zwingenende einfach den Überstand weg. Ihr könnt die Zwingen auch weiterhin ganz normal nutzen, sie sind dadurch also nicht unbrauchbar für andere Aufgaben.

Eure Zulagen sind jetzt fast fertig. Es fehlen nur noch die Nutschienen. Die Schienen werden einfach in die Nut gelegt und verschraubt. Jetzt sind eure Leimholzzulagen einsatzbereit.

die Schienen von INCRA werden mit Flachkopfschrauben befestigt.

Und so funktionieren die Zulagen

Die Zulagen mit der T-Nut liegen unten, darauf kommen die Einzelteile für eure Leimholzplatte. Jetzt schiebt ihr die Zwingen in die Nut und setzt die zweite Zulage auf. Die Zwingenteile mit den Spindeln werden aufgesetzt und leicht angezogen. Jetzt könnt ihr euer Leimholz verpressen und die Zwingen auf den Zulagen noch einmal nachziehen.

Projektübersicht

Kosten: ca. 180 Euro (für drei Sätze, inkl. Zwingen)
Bauzeit: ca. 6 Stunden
Schwierigkeitsgrad: Einfach

Links:

T-Nut-Schiene 912 Millimeter
https://www.feinewerkzeuge.de/t-track.html Art-Nr. 314522

Zwingen
https://www.feinewerkzeuge.de/t-track-clamp.html Art.Nr. 330350

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10 Gedanken zu „Helfer für gerades Leimholz“

  1. Hallo Heiko,

    super – über das Verleimen hab ich mich schon oft aufgeregt. Das ist einfach und geniale Lösung. Werde ich sicherlich nachbauen!

    Viele Grüße
    Marco

  2. Hallo Heiko,

    eine tolle Lösung!

    Da ich gerade dabei bin, mir einen Frästisch zu bestellen, wird das sicherlich eines der ersten Projekte damit sein.

    Die Idee mit dem Blog finde ich sehr gut. Ich hoffe auch, dein Onlinekurs entwickelt sich erfolgreich. Das Modell ist ja in Deutschland noch nicht so verbreitet und du bist in diesem Themengebiet eher ein Pionier. Respekt!
    Ich freue mich auf die nächsten Inhalte.

    Herzliche Grüße
    Frank

  3. Hallo Heiko,

    die Zulagen würde ich gerne nachbauen. Leider hebe ich keinen Abricht- und Dickenhobel. Wie bekomme ich die Zulagen am besten abgerichtet und auf gleichmäßige Dicke?

    Zur Verfügung stehen mir: Tischkreissäge, Oberfräse mit Frästisch, Elektrohobel (75mm breit), 62er Stanley Hobel (weniug Hobelerfahrung)

    Herzliche Grüße
    Paul

    1. Hallo Paul,

      das geht auch mit deinem Maschinenpark. Du musst dann nur eine Seite der Multiplex-Streifen mit dem Handhobel abrichten und die Breite möglichst genau auf der Tischkreissäge auf Breite schneiden. Beim zusammenbau musst du dann sehr genau arbeiten.

      Gruß

      Heiko

    1. Hallo Frank,
      ich setze die Zulagen immer etwa 10 Zentimeter vom Brettende weg und eine in der Mitte. Das reicht auch bei Platten bis einem Meter Länge aus. die Zwingen setze ich etwa alle 30 Zentimeter.
      Gruß
      Heiko

      1. Danke für Deine Antwort, Heiko. Geh ich recht in der Annahme, dass Du bei Brettern, die länger als 1 m werden, also so ca. alle 40 cm eine Zulage setzen würdest?
        Hintergrund der Frage ist, dass ich in Bälde die Zulagen nachbauen werde und für Bretter bis 2 m Länge gerüstet sein möchte. Daher würde ich aktuell mit 5 Zulagen kalkulieren.

        Gruß

        Frank

        1. Hallo Frank,
          wenn du sauber abgerichtete Hölzer verleimst, sollten auch bei so langen Brettern maximal vier Zulagen ausreichen. Es spricht aber natürlich nichts dagegen mehr Zulagen zu nehmen.
          Gruß
          Heiko

  4. Moin, moin,

    nachdem unsere Leimzulagen fertig sind, haben zuletzt eine weitere Verwendung für sie gefunden. Wir haben sie beim Aufdoppeln von größeren MPX-Stücken verwendet. Die nächste Idee, die wir angehen und realisieren wollen, ist den Leimzulagen von unten Rampa-Muffen zu verpassen, so dass wir Bankhaken einschrauben können. Damit können die Zulagen verrutschsicher auf der Werkbank positioniert werden, um beispielsweise als Unterbau für Trennschnitte per Handkreissäge oder Tauschkreissäge zu dienen.

    Gruß

    Frank

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